Fotografie Blog

von Frank Tegtmeyer, Henstedt-Ulzburg

Ausführungen zu ND-Filtern

Kurze Ausführungen zu Neutraldichte- oder Graufiltern (ND-Filtern) - Banner
Foto: Rod Sot

Dies ist eine kurze Exkursion zu ND-Filtern, keine umfassende Abhandlung; sie richtet sich an Einsteiger in die Fotografie mit Filtern.
Wer sich eingehend für die Fotografie mit optischen Filtern und Filtersystemen interessiert, dem empfehle ich das Buch Filterfotografie von Uwe Statz, welches 2016 in der Serie Edition ProfiFoto im mitp-Verlag erschien.

Was sind eigentlich ND-Filter?

ND-Filter (Neutraldichte- oder Graufilter) sind zumeist vergütete optische Gläser mit einer neutralgrauen, die Farbwiedergabe nicht verfälschenden Einfärbung. Sie reduzieren die Menge des Lichts, welches durch das Kameraobjektiv auf den Film oder Sensor gelangt und verlängern so die Belichtungszeit.

Wozu benötigt man ND-Filter?

ND-Filter werden verwendet, um Bewegungsunschärfe trotz großer Lichtintensität zu erzielen, z.B. um die Bewegungen von Wolken oder Wasser zerfließen zu lassen oder um Aufnahmen durch die Abbildung von Bewegungsspuren mehr Dynamik und Spannung zu verleihen.
Ebenfalls eignen ND-Filter sich bei Architekturaufnahmen dazu, störende Personen oder Fahrzeuge, die sich vor Gebäuden oder auf Plätzen und Straßen bewegen, aus dem Bild zu eliminieren.
Durch den Einsatz von ND-Filtern lässt sich die Belichtungszeit nämlich so verlängern, dass die Abbildungsschwelle des Films/Sensors unterschritten wird und sich bewegende Personen oder Fahrzeuge im Bild nicht sichtbar werden oder, bei Fahrzeugen mit Beleuchtung, nur Lichtspuren zu hinterlassen.

Rheinbrücke/Dom Köln, © Olaf Peuss
Die Bewegungsspuren der Wolken geben dieser eher statischen Szene eine gewisse Dramatik

Radisson Hotel, © Olaf Peuss
Die Licht- und Bewegungsspuren der Fahrzeuge verleihen dieser Straßenszene ein hohes Maß an Dynamik

Straßenszene, © Olaf Peuss
Zu den Lichtspuren der Fahrzeuge kommen hier noch die Bewegungsspuren der Passanten

Was gibt es beim Einsatz von ND-Filtern zu beachten?

  1. Ohne den Gebrauch eines geeigneten Stativs ist der erfolgreiche Einsatz von ND-Filtern unmöglich, denn die Belichtungszeiten, die erforderlich sind, um sich bewegende Personen oder Objekte aus dem Bild “verschwinden” zu lassen oder auf ihre Bewegungsspuren zu reduzieren, sind zu lang, um sie aus der Hand zu halten. Bei allen Aufnahmen vom Stativ empfiehlt sich der Einsatz eines Fernauslösers und, falls man mit einer Spiegelreflexkamera arbeitet, der sogenannten Spiegelvorauslösung, um die beim Auslösen entstehenden Vibrationen so gering wie möglich zu halten.

  2. Für die Festlegung des Bildausschnitts und die Scharfstellung gilt bei schwachem Licht:

    1. den Bildausschnitt festlegen
    2. scharf stellen
    3. den Autofokus ausschalten
    4. den ND-Filter aufsetzen
    5. auslösen

    Den Autofokus sollte man nach dem Scharfstellen abschalten, da er sich sonst beim Druck auf den Auslöser bei aufgesetztem Filter aktiviert und “sich im Dunkeln totläuft”, d. h., er schafft es nicht, durch den dunklen Filter hindurch ein Objekt zu finden, auf das er scharfstellen kann.

  3. Besonders beim Tageslichteinsatz wird sichtbar, dass ND-Filter-Fotos einen Farbstich ins Rötliche aufweisen. Der Grund ist, dass ND-Filter die Durchlässigkeit für kurzwelliges, sichtbares Licht verringern, langwellige Infrarotstrahlung jedoch passieren lassen. So gelangt umso mehr IR-Strahlung auf das Foto und beeinflusst die Farbgebung, je länger die Belichtungszeit beträgt. Je mehr kurzwelliges (Tages)licht ausgefiltert wird, desto deutlicher wird der Farbstich ins Rötliche. Abhilfe schafft hier die Korrektur des Weißabgleichs bei der Bearbeitung der Fotos am Rechner.

Rhein-Hochwasser, © Olaf Peuss
Die glattgezogene Wasseroberfläche lässt das Rhein-Hochwasser als bedrohliche, alles verschlingende Masse erscheinen

Sind teure ND-Filter besser als billige?

Lassen sich mit teuren ND-Filtern von Markenherstellern wie B+W oder Rodenstock bessere Ergebnisse erzielen als mit mittelpreisigen Filtern von Hama und Hoya oder preiswerten wie den Filtern des chinesischen Herstellers Haida?

Erfahrungsgemäß ist das im Hinblick auf die Farbwiedergabe zu verneinen, denn die ggü. normalem Licht stärkere Durchlässigkeit von IR-Strahlung ist bei ND-Filtern unvermeidbar.
Hochpreisige Filter bieten allerdings eine geringere Serienstreuung, eine bessere Verarbeitungsqualität, verwindungssteifere Filtereinfassungen aus Messing statt aus Aluminium und eine bessere, gegen Kratzer und Verschmutzungen widerstandsfähigere Vergütung.

Deshalb ist es kein Fehler, teure Filter zu kaufen, wenn man diese häufig einsetzt. Gelegentlichen Nutzern reichen meistens preiswertere Produkte. Allerdings gibt es einen Punkt, an dem man nicht sparen sollte: Filter aus mehrfach vergütetem Glas sollten es sein, auf Englisch als MC (= multi-coated = mehrfach beschichtet) ausgewiesen. Mehrfachvergütungen reduzieren Farbverfälschungen, schwammige Kontraste und Unschärfen als Folge von Reflexionen auf den Glasoberflächen der Filter und sorgen so für farbtreuere, klarere und schärfere Bilder.

Was tun, wenn verschiedene Filterdurchmesser benötigt werden?

Die einfachste, leider teuerste Antwort lautet: Wer Filter aufgrund verschieden großer Filtergewinde (z. B. 77 mm beim Standardzoom, 82 mm beim Ultraweitwinkelzoom, 72 mm beim Telezoom und 67 mm beim Makroobjektiv) benötigt, müsste für jeden Durchmesser einen separaten Filter kaufen.

Doch selbst bei der Verwendung preiswerter Filter wird das teuer. Zudem benötigt man nicht für jedes Objektiv jeden Filter in jeder Stärke. Daher empfiehlt es sich, ND-Filter im größten benötigten Durchmesser zu kaufen; in unserem obigen Beispiel wären das 82 mm. Für die Verwendung an einem Objektiv mit einem Filtergewinde von 77 oder 72 mm kauft man sich sogenannte Filteradapter. Diese sind dünne Metallringe mit einem großen weiblichen Gewinde für die Aufnahme eines Filters auf der einen und einem kleineren männlichen Gewinde, um den Adapter mit einem Objektiv mit kleinerem Filtergewinde einsetzen zu können, auf der anderen Seite.

Diese Adapter sind für wenige Euro erhältlich und ermöglichen es auf günstige Weise, größere Filter auch an Objektiven mit kleineren Filtergewinden einzusetzen. Der Einsatz von Gegenlichtblenden ist beim Einsatz von Filtern in “Übergröße” selbstverständlich nicht mehr möglich.

Welcher ND-Filter dient welchem Zweck?

ND-Filter gibt es nicht nur in diversen Durchmessern, sondern auch in verschiedenen Stärken. Drei dieser Stärken sind im Fotohandel problemlos erhältlich (Alle Beispielfotos wurden mit einer digitalen Spiegelreflexkamera Nikon D7100 mit einem Sigma 17-50 mm/2,8 EX DC OS HSM angefertigt. Als ND-Filter gelangten ein Haida Slim Pro II MC ND 0,9 und ein Haida Slim Pro II MC 1,8 zum Einsatz, bei der Aufnahme “Rhein-Hochwasser” wurden beide Filter kombiniert eingesetzt, um eine möglichst lange Belichtungszeit zu erzielen.):

  1. ND 0,9 verlängert die Belichtungszeit um drei Belichtungsstufen (= Faktor 23 = 8), d. h., die Belichtungszeit verachtfacht sich.
    Graufilter der Stärke ND 0,9 eignen sich gut für den Einsatz bei Nachtaufnahmen, wenn allzu große Verlängerung der Belichtungszeit evtl. zu Wartezeiten von einer Stunde oder mehr führen würde. Beim Einsatz von ND-Filtern der Stärke 0,9 kann man auch abends den Bildausschnitt mit aufgesetztem Filter festlegen, der Autofokus (AF) sollte noch funktionieren; für letzteres gibt es aber keine Garantie.

  2. ND 1,8 verlängert die Belichtungszeit um sechs Belichtungsstufen (= Faktor 26 = 64), d. h., die Belichtungszeit vervierundsechzigfacht sich.
    Graufilter der Stärke ND 1,8 eignen sich unter Tageslichtbedingungen zum Erzielen mittellanger bis langer Belichtungszeiten – gegebenenfalls ist die Blende so weit wie möglich zu schließen und/oder die Sensorempfindlichkeit manuell auf den niedrigsten Wert einzustellen – was z. B. zum “Entvölkern” belebter bzw. stark frequentierter Orte hilfreich sein kann.
    Beim Einsatz von ND-Filtern der Stärke 1,8 kann man tagsüber den Bildausschnitt mit aufgesetztem Filter festlegen, der Autofokus (AF) sollte noch funktionieren; für letzteres gibt es aber keine Garantie. Bei ungünstigen Lichtverhältnissen muss man ggf. den Ausschnitt und die Scharfstellung vor dem Aufsetzen des Filters vornehmen und vor dem Auslösen bei aufgesetztem Filter den Autofokus ausschalten.

  3. ND 3,0 verlängert die Belichtungszeit um zehn Belichtungsstufen (= Faktor 210 = 1.024), d. h., die Belichtungszeit vertausendfacht sich.
    Graufilter der Stärke ND 3,0 werden eingesetzt, wenn man unter Tageslichtbedingungen bei großer offener Blende lange Belichtungszeiten benötigt. Allerdings sind Filter der Stärke ND 3,0 schwierig zu handhaben, denn sie lassen kein für das Auge sichtbares Licht durch.
    Das Festlegen des Bildausschnitts und das Scharfstellen müssen auch bei Tageslicht vor dem Aufsetzen des Filters geschehen. Deshalb muss man den Autofokus nach erfolgreichem Scharfstellen ausschalten, damit er nicht bei aufgesetztem Filter beim Druck auf den Auslöser erneut aktiviert wird und kein Ziel zum Scharfstellen findet.

Hinweise für den praktischen Einsatz

Man könnte nur über den Einsatz von ND-Filtern ein Buch schreiben, doch das würde an dieser Stelle zu weit führen. Drei praktische Tipps möchte ich mit auf den Weg geben:

  1. Da man beim Fotografieren mit ND-Filtern ohnehin ein Stativ verwenden muss, empfiehlt es sich, die ND-Filter in ihren Containern in der Stativ- statt in der Fototasche zu verstauen. Dann hat man die ND-Filter dabei, wenn man das Stativ mit sich führt. In der Fototasche, ohne Stativ, nützen ND-Filter wenig.

  2. Man sollte die Filtercontainer so klar und deutlich beschriften, dass sich die Schrift im Halbdunkeln lesen lässt. Als Erinnerungsstütze gehört der Verlängerungsfaktor der Belichtungszeit mit auf den Container bzw. auf ein weißes Papierschildchen, das mit Tesafilm auf dem Container fixiert wird. Denn die richtige Belichtung wird man besonders bei Abend- und Nachtaufnahmen von Hand einstellen müssen, d. h. für Zeiten jenseits von 30 Sekunden müssen im manuellen Modus “M” die Einstellungen “B” (Bulb) oder “T” (Time) verwendet werden. Und dazu gehört dann eben auch das vorherige richtige Berechnen der Belichtungszeit.

    Ein einfaches Beispiel soll die Verwendung verdeutlichen:

    Der Belichtungsmesser der Kamera zeigt an, dass die richtige Belichtung bei Blende 5,6 bei ISO 100 ohne Filter 6 Sek. beträgt. Mit einem aufgesetzten ND 0,9 beträgt die Zeit nunmehr 6 Sek. x 8 = 48 Sek., was mehr ist, als die meisten Kameras automatisch einstellen können, denn die Grenze der Automatik liegt bei praktisch allen modernen Digitalkameras bei 30 Sek.

    Bei 20 Sek. “normaler” Belichtungszeit werden es mit einem ND 0,9 bereits 160 Sek. (= 2 Min. 40 Sek.) usw.
    Nun kann man ausrechnen, zu welchen Belichtungszeiten man gelangt, wenn man bei Abendaufnahmen statt eines ND 0,9 einen ND 1,8 oder gar 3,0 verwendet.

    Bei den genannten 20 Sek. “normaler” Belichtungszeit sind es 1.280 Sek. (= 21 Min. 20 Sek.) bei ND 1,8 und 20.000 Sek. (= 5 Std. 33 Min.) bei ND 3,0.
    Und während ca. 20 Minuten Belichtungszeit wohl noch so gerade akzeptabel sind, zumindest solange es draußen nicht allzu kalt ist, dürfte nur bei wenigen Amateuren die Liebe zur Fotografie so weit gehen, dass sie mehr als fünfeinhalb Stunden lang ihre Kamera beaufsichtigen, nur um ein einziges Foto zu machen und dabei zu spekulieren, ob der Kamera-Akku wohl lange genug durchhält. Ist die sogen. Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtungen in der Kamera aktiviert, beträgt die gesamte Belichtungsdauer sogar 11 Std. 06 Min., nämlich 5 Std. 33 Min. für die Belichtung und 5 Std. 33 Min. für die sogen. Schwarzbelichtung, die zum Herausrechnen des sogen. Sensorrauschens benötigt wird.
    Hier würde definitiv eine externe Stromversorgung für die Kamera benötigt.

  3. Ein Smartphone kann ein nützliches Werkzeug sein, gerade bei der Nachtfotografie.
    Zum einen lassen sich die Foto- und Videoleuchten der meisten Smartphones als Taschenlampe einsetzen, was die Auswahl der richtigen Filter, die Montage eines kabelgebundenen Fernauslösers an der Kamera und die richtigen Einstellungen an der Kamera erleichtert.
    Zum anderen helfen Taschenrechner und Countdown-Alarm beim Berechnen und Messen der richtigen Belichtungszeit. Für Smartphones mit dem Betriebssystem Android gibt es eine sehr praktische kleine App namens “ND Filter Calc (DSLR)” von Lars Mathuseck, die man sich bei Interesse kostenfrei aus dem Google Play Store herunterladen kann. Bei der App lassen sich die vorgegebenen Filter übernehmen, ändern oder eigene hinzufügen. In der linken Spalte stellt man die Belichtungszeit ohne Filter ein, wählt dann den oder die Filter aus, die man einsetzen will und schon berechnet das Programm die erforderliche Belichtungszeit und überträgt diese praktischerweise gleich in einen Countdown-Timer.
    Diesen startet man zu Beginn der Belichtungszeit. Ist die Zeit abgelaufen, wird der Fotograf per Vibrationsalarm und auf Wunsch auch per Tonsignal informiert, dass es Zeit ist, die Belichtung zu beenden. Für Apples iPhone existieren solche Apps ebenfalls, doch kann ich mangels eigener Apple-Produkte keine gezielten Empfehlungen aussprechen.

Ich hoffe, dass diese Hinweise dem geschätzten Leser beim Einstieg in die Fotografie mit ND-Filtern behilflich sind und wünsche viel Erfolg bei der Anwendung und gute Fotos.


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