Fotografie Blog

von Frank Tegtmeyer, Henstedt-Ulzburg

Tschüss, Adobe - Teil 1

Cloud-Dienste, künstliche Intelligenz und Abo-Dienste gehen mir immer mehr auf die Nerven. Deswegen versuche ich, die Adobe-Produkte zu ersetzen.

Hier die ersten Überlegungen zur Vorgehensweise.

Geht es Ihnen auch so?

Die modernen Internet-Dienste gehen mir mehr und mehr auf die Nerven. Das betrifft auch die immer als vorteilhaft verkaufte “Integration” von Diensten, die sich oft nur als Gängelband für Benutzer entpupppt, mit dem sie an eine Firma gebunden werden sollen.
Ebenso liefert man den Firmen ständig Daten, ohne eine Kontrolle darüber, welche, wie viel und was die Firmen damit anstellen. Die Datenschutzerklärungen kann man getrost vergessen - Daten, die vorhanden sind werden IMMER mißbraucht.

Ebenso sehe ich Künstliche Intelligenz sehr kritisch und Adobe ist stolz darauf, diese immer weitergehend einzusetzen. An vielen Stellen macht das die Bearbeitung einfach - wenn am Ende aber jeder einfach per Klick sein Foto bearbeitet haben wir keinen kreativen Prozess mehr sondern nur noch maschinenbetreute Idiotie.

Inzwischen hat meine Abscheu dagegen ein Maß erreicht, dass ich mich nach Alternativen umsehen muß.

Die Adobe-Programme

Nachdem die Firma Apple ihr Programm Aperture sang- und klanglos eingestampft hat - ohne eine gleichwertige Alternative anzubieten - sah ich mich nach reiflicher Abwägung gezwungen, ein Adobe-Abonnement für das Fotografen-Bundle (Lightroom und Photoshop) zu bezahlen.

Lightroom (inzwischen heißt es Lightroom Classic) ist ein leistungsfähiges Programm, das mehrere Funktionen bietet:

  • Digital Asset Management
    Das Programm verwaltet einen Katalog mit dem man seine Bilder hervorragend organisieren kann. Für mich ist das das hervorstechendste Merkmal von Lightroom und die wichtigste Funktion. Besonders hervorzuheben ist die gut gemachte Karten-Funktion zur Pflege/Verwaltung von Positionsdaten.
  • RAW-Entwicklung
    Der RAW-Konverter in Lightroom ist auf hohem Niveau und einigermaßen einfach zu bedienen.
  • einfache Bildbearbeitung
    Lightroom beinhaltet auch Werkzeuge für einfachere Bildbearbeitungen. Einfach heißt hier durchaus auf einem Niveau, das andere Programme nicht haben. Für komplexere Bearbeitungen gibt es dann Photoshop.
  • Sehr gute Culling-Unterstützung
    Für die manuelle Auswahl der Bearbeitungs-“Kandidaten” stellt Lightroom diverse Ansichten bereit, die eine Auswahl der guten Fotos und Entfernung weniger guter Fotos erleichtert. Diese sind in der Katalog-Ansicht verfügbar, man muß die Bilder also erst einmal importieren (im Gegensatz zu spezialisierten Culling-Programmen, die schon vor dem Import eingesetzt werden können).

Zu Photoshop muß man nicht viel sagen: es ist seit den Anfängen der digitalen Bildbearbeitung der leistungsfähige Klassiker. Ich habe viel Zeit und auch Geld investiert, Photoshop-Techniken zu erlernen. Zum Glück sind viele davon allgemein gültig und können auch in anderen Programmen angewendet werden.

Natürlich möchte ich meinen Arbeitsprozeß nicht komplett umstellen und auch die Arbeit, die ich in meinen Bilder-Katalog gesteckt habe, möchte ich nicht verlieren.

Alternativen

Die von Adobe bereitgestellte Kombination von Eigenschaften findet man leider nirgends 1:1 wieder.
Deswegen muss man verschiedene Programme für verschiedene Bereiche einsetzen.

Es gibt zwar Capture One Pro (https://www.captureone.com/) - die Firma wechselt jetzt aber auch “auf Kundenwunsch” zu einem Abo-Modell. Zudem bietet das Programm keine Bildbearbeitung im eigentlichen Sinn - es ist im Wesentlichen ein RAW-Konverter.
Die Pro-Variante hat auch einen integrierten Katalog. Das Programm macht sehr viel Sinn für Berufsfotografen, die die Bilder nicht künstlerisch bearbeiten - also Hochzeitsfotografen etc. Hier kann das Programmm durch seine durchdachten Export-Funktionen punkten - meine Bedürfnisse sind aber andere. Eine Zeitlang habe ich mit dem Programm gearbeitet - bis der Preis für jedes Update so stark anzog, dass es keinen Sinn mehr machte.

Bildverwaltung (DAM)

Da ich auf einem Mac arbeite, kommt einem sofort das bekannte Programmm NeoFinder (https://cdfinder.de/) in den Sinn.
Das Programm wurde entwickelt, um Kataloge von CDs oder ganz allgemein von Datenträgern zu verwalten. Die Inhalte können alles mögliche sein, ob Musik, Fotos, Videos oder andere Dinge. Neofinder kann natürlich auch Daten verwalten, die sich auf der Computer-Festplatte befinden.
Fotos sind sehr gut unterstützt, selbst Geo-Daten (Karten-Position) lassen sich verwalten. Die Meta-Daten der Bilder können direkt aus den Bild-Dateien oder aus Zusatz-Dateien ausgelesen werden (Lightroom unterstützt auch die Generierung dieser Zusatzdateien).
Ich habe NeoFinder schon ein paarmal angetestet und könnte mir vorstellen, das Programm dauerhaft einzusetzen. Culling (Bilderauswahl) ist allerdings absolut rudimentär unterstützt und eigentlich nicht brauchbar.
Es gibt übrigens auch ein ähnliches Programm für Windows: abeMeda (http://www.abemeda.de/).

Der nächstbeste Kandidat ist wohl das freie Program digiKam (https://www.digikam.org/).
Das Programm ist für Linux, Windows und Mac verfügbar und kostet nichts. Zudem wird es auch aktiv weiterentwickelt (bei freier Software nicht selbstverständlich).
Die Bedienung unterscheidet sich sehr von den Programmen, die ich bis jetzt benutzt habe, so dass ich noch nicht so richtig mit dem Programm warm geworden bin. Es scheint aber ziemlich leistungsfähig zu sein und selbst das Culling kann man mit etwas Wissen in ähnlicher Weise wie in Lightroom durchführen.
Für Programmierer interessant: Das Programm hat auch eine API, mit der man die Funktionen aus anderen Programmen heraus ansprechen kann. Laut Dokumentation enthält es ebenso einen RAW-Konverter und einfache Funktionen zur Bildbearbeitung (wie Lightroom).

Auch darktable (https://www.darktable.org/) könnte eine Variante sein - aus irgendeinem Grund hatte ich das Programm aber schon einmal verworfen. Zur Sicherheit werde ich es mir noch einmal ansehen.
Auch darktable ist freie Software und steht für Linux, Windows und Mac zur Verfügung.

RAW-Entwicklung

In diesem Bereich ist die Auswahl riesig groß. Hier ein paar Varianten:

  • RawTherapee (https://rawtherapee.com/)
    Extrem mächtiges Werkzeug, freie Software, verfügbar für Linux, Windows und Mac.
    Hier kann man in die letzten Feinheiten der RAW-Konvertierung einsteigen - man muß es aber nicht. Über vorbereitete Einstellungen kann man auch “Standard”-Konvertierungen machen.
  • Affinity Photo (https://affinity.serif.com/de/photo/)
    Sehr ähnlich zu Lightroom. Preiswert und leistungsfähig.
  • Capture One Pro (https://www.captureone.com/)
    Sehr gut, allerdings teuer. Ab demnächst Abo-Verfahren
  • DxO PhotoLab (https://www.dxo.com/)
    Gutes Produkt, das ich auch eine Zeit lang eingesetzt habe.
  • DigiKam (https://www.digikam.org/)
    Habe ich noch nicht ausprobiert, könnte aber ausreichend gut sein.
  • darktable (https://www.darktable.org/)
    Zum Programm kann ich nicht viel sagen - ich hatte es einmal ausprobiert aber wegen irgendetwas wieder verworfen. Ein zweiter Blick könnte nicht schaden.
  • Gimp/UFRAW (https://www.gimp.org/)
    Im freien Bildbearbeitungsprogramm GIMP ist unter Umständen der RAW-Konverter UFRAW schon vorinstalliert. Falls nicht, läßt er sich leicht nachrüsten.
    In neueren Versionen können auch RawTherapee oder darktable als RAW-Konverter eingebunden werden.

Culling (Bildauswahl)

Eine kurze Recherche ergab leider keine Treffer für Programmme, die ähnliche Vorgehensweisen wie Lightroom ermöglichen.
Dafür jede Menge Treffer und Werbung für automatisierte Tools, die mit Cloud-Unterstützung und künstlicher Intelligenz arbeiten - also genau das, was ich nicht möchte. Auch diese Programme sind vor allem auf Hochzeitsfotografen oder ähnliches ausgelegt.

Bildbearbeitung

Der Wechsel weg von Photoshop ist hart, vor allem, wenn man schon eine Menge Zeit und Geld investiert hat. Deswegen sollte die Alternative nicht mit allzu großen Beschränkungen aufwarten.

Der erste Kandidat ist Affinity Photo (https://affinity.serif.com/de/photo/). Affinity Photo enthält nicht nur einen RAW-Konverter sondern ebenso eine leistungsfähige Bildbearbeitung die derjenigen von Photoshop durchaus vergleichbar ist. Der Funktionsumfang ist zwar etwas kleiner, allerdings in Bereichen, die man eher selten oder gar nicht braucht. Die Optik des Programms ist für mich etwas “kindlich” geraten aber das ist etwas, was leicht zu verschmerzen ist. Alle Programme des Herstellers gibt es übrigens in einem sehr preiswerten Bundle - das beinhaltet dann die Lizenz für Mac, Windows und iPad und zwar für Affinity Photo (Bildbearbeitung), Affinity Designer (grafische Arbeit, Vektorgrafik) und Affinity Publisher (Desktop Publishing).
Das Programm kommt zum Festpreis (kein Abo) und erhält kostenlose Updates, bis die nächste Hauptversion erscheint. Dieser Zeitraum war von Version 1.x bis 2.x mindestens fünf Jahre - so genau erinnere ich mich nicht mehr.
Fazit: Professionelle Leistung für wenig Geld. Ich werde mit dem Programm in Zukunft die Bildbearbeitung durchführen.

Bei freier (kostenlos heißt nicht frei) Software ist GIMP immer noch der einzige wirkliche Kandidat. GIMP ist allerdings verglichen mit Photoshop und Affinity Photo wirklich langsam und vor allem: man kann dort nicht zerstörungsfrei arbeiten, da Einstellungsebenen erst in Version 3.2 geplant sind. Die Version 2.10 hat dafür wichtige Vorarbeiten geliefert, aber die Entwicklung geht nur langsam voran. Version 2.10 ist schon seit einigen Jahren der aktuelle Stand (mit diversen neuen Unter-Versionen, aktuell 2.10.32) .
GIMP bietet über das GMIC-Plugin (siehe dieser Artikel) eine Unmenge interessanter Filter für diverse Effekte.
Das Fehlen zerstörungsfreier Arbeit macht GIMP für mich aber momentan noch wenig attraktiv. Wer die Ausgabe für ein Programm scheut und genügend Zeit hat, für den ist GIMP durchaus interessant.

Ausblick

Im nächsten Artikel werde ich vermutlich beschreiben, wie ich meinen Bildkatalog für die Übernahme in ein anderes Programm vorbereite.

Danke, dass Sie bis hierher durchgehalten haben!


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Frank Tegtmeyer (2023-01-26 07:47)

Hallo Herr Schöne,
zu Excire Photo kann ich leider nicht viel sagen - außer daß die Webseite zum Programm sehr stark den Fokus auf die KI des Programms richtet - etwas, das ich ja nun nicht gerade möchte. Vermutlich hilft da nur ausprobieren und sehen ob es zu Ihren Bedürfnissen paßt.
MfG Frank Tegtmeyer

Uwe Schöne (2023-01-26 02:47)

Hallo,
zunächst einmal herzlichen Dank für Ihre stets interessanten und lehrreichen Artikel.
Was die Bildauswahl betrifft würde mich interessieren, wie Sie Excire Photo einschätzen.
Herzliche Grüße

Reinhard Grimm (2022-12-16 10:04)

Meine Antwort auf die Eingangsfrage: Ja!
Konsequenz: In 2016 den Adobe-Abschied eingeleitet.
Heute: Das CaptureOneAbo hat mich sehr viel Überwindung „gekostet”, bereue ich aber nicht.
Ergänzung: AffinityPhoto.
Fazit: Seit 2018 keine Adobe-Produkte auf meinem Mac. Glücklich.