Fotografie Blog

von Frank Tegtmeyer, Henstedt-Ulzburg
Ich lasse mich NICHT impfen und ich habe gute Gründe dafür. Treffen Sie Ihre Entscheidung nur gut informiert, z.B. hier, und lassen Sie sich nicht von Panikmache und Angst leiten oder gar erpressen!

Wolken zaubern

Wolken zaubern

So schön ein wolkenloser Himmel für viele Menschen sein mag - für Fotos ist das in der Regel zu langweilig. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie auf einfache Weise ein paar hübsche Wolken in den Himmel zaubern können.

Sie erlernen dabei drei Techniken:

  • Selektionen
  • Perspektiv-Anpassung und
  • Farbanpassung

In der Regel benötigen Sie alle drei Techniken, damit das Ergebnis realistisch aussieht.

Diese Anleitung setzt ein Programm voraus, das mit Ebenen und Masken arbeiten kann. Alle besseren Bildbearbeitungen bieten diese Möglichkeit. Als Klassiker ist hier das kommerzielle Programm Adobe Photoshop zu nennen, im Freeware-Bereich ist Gimp der Klassiker.
In den letzten Jahren kamen etliche andere gute Programme auf den Markt, zu nennen ist hier vor allem das Programm Affinity Photo, das bezüglich der Bildbearbeitung Photoshop kaum nachsteht.

In den weiteren Beschreibungen wird von Photoshop ausgegangen.

Hinweis: Photoshop bietet seit etwa einem Jahr die Möglichkeit, den Himmel automatisiert zu ersetzen. Diese Möglichkeit wird hier nicht benutzt - wir wollen ja etwas lernen, oder?

Ebenen und Masken

Ebenen werden in diesen Programmen benutzt, um verschiedene Bildbestandteile zu kombinieren. Dabei kann die Sichtbarkeit von Teilen der Ebenen mit Masken beeinflußt werden.

Stellen Sie sich vor, Sie hätten mehrere Glasplatten mit verschiedenen Bildern bemalt. Alle Bilder auf den Glasplatten sind undurchsichtig. Wenn Sie die Glasplatten übereinander legen, sehen Sie nur das Bild auf der obersten Glasplatte.

Wenn Sie jetzt Teile des obersten Bildes wegkratzen oder mit Verdünnung so viel von der Farbe entfernen, dass das Bild an einigen Stellen “durchsichtig” wird, können Sie Teile des Bildes auf der zweiten Glasplatte durchscheinen sehen.

Auf die gleiche Weise funktionieren Ebenen und Masken. Die Ebenen sind die verschiedenen Glasplatten und der Grad der “Durchsichtigkeit” wird durch die Masken bestimmt.

Die Teile der Maske, die weiß sind, machen das Bild undurchsichtig - schwarze Stellen machen das Bild komplett durchsichtig. Alle Graustufen dazwischen stellen verschiedene Grade der Durchsichtigkeit dar.

Sehen Sie sich das folgende Bild an: Bild 1 ist das untere Bild, Bild2 (orange/blau) ist das darüber liegende Bild. Der Grau-Verlauf ist die Maske, die Bild 2 zugeordnet ist. Das Ergebnis sehen Sie auf der rechten Seite:

Ebenen und Masken

Je dunkler die Maske ist, desto mehr scheint die Ebene 1 durch. Je heller die Maske ist, desto “sichtbarer” oder undurchsichtiger ist Ebene 2. Das gilt für den Standard-Mischmodus (“Normal”). Es existieren eine Menge mehr Misch-Modi, von denen wir aber für die Ersetzung des Himmels nur einen weiteren einsetzen werden. Eine Liste der Misch-Modi finden Sie bei Adobe.

Wir werden Masken einsetzen, um den Himmel mit einem anderen zu ersetzen.

Erster Schritt: Laden der beiden Bilder

Das erste Bild (in dem Sie den Himmel ersetzen wollen) laden Sie ganz normal - entweder über das Menü “Datei öffnen” in Photoshop oder von Lightroom aus über das Kontextmenü (rechte Maustaste) “Bearbeiten in / Bearbeiten in Photoshop”.

Das zweite Bild mit dem neuen Himmel öffnen Sie ebenso - danach können Sie die angezeigte Hintergrundebene über das Kontextmenü “Ebene duplizieren” in das erste Bild als neue Ebene kopieren:

Ebene kopieren

Wählen Sie als Dokument Ihr erstes Bild und geben Sie der neuen Ebene einen passenden Nammen (zum Beispiel “Wolken”).

Ebene Kopierziel

Falls die beiden Fotos einen unterschiedlichen Farbraum benutzen werden Sie unter Umständen gefragt, ob Sie diesen anpassen wollen. Bestätigen Sie die Anpassung einfach:

Ebene Farbraum

Das zweite Bild (mit dem neuen Himmel) können Sie nun wieder schließen - es wird nicht mehr gebraucht, da der Inhalt des Bildes nun als zweite Ebene im ersten Bild liegt.
Da als Mischmodus “Normal” angegeben ist und auch noch keine Maske vorhanden ist, sehen Sie jetzt im ersten Bild eventuell nur das zweite Bild oder abhängig von den Größenverhältnissen auch nur einen Teil des zweiten Bildes.

Das erste Bild wurde als “Hintergrundebene” geladen - klicken Sie einfach auf das Schloß rechts neben dem Ebenen-Namen, um diese Ebene in eine “normale” Ebene zu verwandeln.

Das erste Bild liegt jetzt als Ebene unterhalb des Wolken-Bildes - verschieben Sie es in der Ebenen-Liste einfach nach oben, so dass es als oberste Ebene zu sehen ist.

Ebenen-Anordnung

Zweiter Schritt: Erstellen der Maske für den Himmel

Das Erstellen von Masken kann eine wirklich schwierige Aufgabe sein, vor allem wenn das Bild sehr feine Strukturen enthält oder Objekte farbige Reflexionen enthalten.

Photoshop bietet hier inzwischen sehr einfache Möglichkeiten - zum Beispiel “Auswahl/Motiv” oder “Auswahl / Himmel”, die in der Regel ganz gute Ergebnisse liefern. Wir wollen hier aber eine “klassische” Methode behandeln, die auch in anderen Programmen funktioniert.

Beispielbild

Ein wirklich blauer Himmel wie im obigen Beispielbild erleichtert die Aufgabe ziemlich. Je blauer der Himmel, desto besser.

Aus der Fülle der Möglichkeiten, eine Maske zu erstellen wählen wir eine Technik, die die Farbkanäle eines Bildes benutzt.

Bildbearbeitung findet meistens im RGB-Farbraum statt - RGB steht hierbei für Rot, Grün und Blau. Bei Computermonitoren werden alle Farben aus diesen drei Grundfarben “gemischt” (dazu gibt es einen Artikel “Farbdarstellung").

Farbkanäle

Weiter oben hatte ich erwähnt, dass uns der blaue Himmel beim Selektieren hilft. Schauen Sie sich einmal den Blau-Kanal im obigen Bild an:

Fast an allen Bildstellen ist der Himmel heller als die anderen Bildbestandteile.
Erinnern Sie sich, wie Masken funktionieren? Weiss macht eine Bildstelle sichtbar, Schwarz macht eine Bildstelle unsichtbar.
Wir können also den Blau-Kanal als Ausgangsbasis für unsere Maske benutzen.

Auch der umgekehrte Weg ist möglich - wenn die “unerwünschten” Bildteile in einem Farbkanal deutlich heller sind kann man diesen Kanal als Basis benutzen und ihn invertieren (in sein Gegenteil verwandeln).

Zur Generierung der Maske wird zunächst der Blau-Kanal dupliziert:

Kanal duplizieren

Öffnen Sie das Kontextmenü zum blauen Kanal mit der rechten Maustaste. Es ist möglich, dass das Kontextmenü inaktiv ist - das scheint ein Fehler in Photoshop zu sein. Bei mir half es, den blauen Kanal einmal mit der linken Maustaste nach unten zu ziehen und dann loszulassen. Danach funktionierte das Kontextmenü. Da hierbei der Blau-Kanal als Einziger ausgewählt wird, müssen Sie anschliessend noch den RGB-Kanal aktivieren, damit wieder alle Farbkanäle aktiv sind.
Klicken Sie im Kontextmenü auf “Kanal duplizieren” und nennen Sie den neuen Kanal “Himmel”:

Kanal dupliziert

Der neue Kanal wird mit der linken Maustaste markiert und aus diesem eine Auswahl erstellt. Dazu einmal auf den kleinen gestrichelten Kreis unterhalb der Kanäle klicken (“Kanal als Auswahl laden”). Danach wieder den RGB-Kanal ein- und den “Himmel”-Kanal ausschalten (über die Augen-Symbole).

Kanal zu Auswahl

Von den Kanälen schalten wir nun wieder um zu den Ebenen. Die obere Ebene muss markiert sein. Nun können wir die erzeugte Auswahl als Ebenen-Maske einfügen:

Maske erzeugen

Nun lassen wir uns im Hauptbild nur die Maske anzeigen - das geht unter Windows indem die ALT-Taste gehalten wird und ein Klick auf das Maskensymbol rechts neben der oberen Ebene erfolgt (linke Maustaste). Auf dem Mac muss die Option-Taste verwendet werden.

Maske anzeigen

Da immer noch die Auswahl aktiv ist kann man diese über das Menü deaktivieren (Auswahl/Auswahl aufheben).

Die Maske können wir recht einfach verfeinern, indem wir sie mit dem Tonwertkorrektur-Werkzeug (englische Version: Level) bearbeiten:

Tonwertkorrektur

Das Werkzeug wird über die Tastenkombination Strg-L (Windows) bzw. Cmd-L (Mac) aufgerufen und verändert die Maske direkt - das kann höchstens rückgängig gemacht werden, eine nachträgliche Änderung ist aber nicht möglich. Die Tonwertkorrektur kann auch mehrfach hintereinander angewendet werden - hierbei muss aber vorsichtig agiert werden, da man die Maske auch schnell kaputtmachen kann.

Wenn die Maske gut genug ist, muß sie noch invertiert werden - wir haben den Himmel in der Maske mit Weiß dargestellt, wir brauchen aber genau das Gegenteil. Die Invertierung erfolgt durch die Tastenkombination Strg-I (i - wie invert) auf Windows bzw. durch Cmd-I auf dem Mac.

Die Maske kann nun noch manuell nachbearbeitet werden - das geht direkt mit dem Pinsel-Werkzeug mit den Farben Schwarz und Weiß. Hierbei ist es of ratsam, mit einem Fluß von maximal 5-10% zu arbeiten - das kann am oberen Rand des Photoshop-Fensters in den Werkzeug-Eigenschaften eingestellt werden. Im hier verwendeten Bild müssen zum Beispiel noch Bereiche innerhalb der Blüte mit Weiß übermalt werden.

Fertige Maske

Sobald die Maske fertig ist (oder auch zwischendurch zur Kontrolle) wird die Anzeige der Maske wieder ausgeschaltet (ALT-Taste und Klick auf das Maskensymbol bzw. Option-Taste auf Mac).

Hier das Zwischenergebnis nach Erzeugung der Maske:

Maske angewendet

Dritter Schritt: Perspektiv-Anpassung

Eine wichtige Maßnahme beim Verbinden zweier Fotos ist die Angleichung des Horizontes.

Wird das unterlassen, sieht das Endergebnis im besten Fall irgendwie “komisch” aus, im schlimmsten Fall wird das Bild vom Betrachter sofort als Fake erkannt.

Das Gleiche trifft übrigens auf das Licht, vor allem auf seine Richtung aber auch seine Qualität, zu.
Wenn Sie sich das Zwischenergebnis nach Erzeugung der Maske genauer ansehen werden Sie feststellen dass das Licht in beiden Bildern sehr verschieden ist.

Das Licht auf der Sonnenblume kommt von rechts oben und etwas von hinten und es ist relativ hart.
Auf den Wolken sehen wir Licht, das von vorn und etwas von unten kommt und das Licht ist sehr weich und gestreut.

Es ist also zu erkennen, dass beide Bilder nicht gut zusammenpassen. Aus diesem Grund habe ich den ersten Schritt noch einmal mit einem anderen Wolken-Foto ausgeführt. Hier das Ergebnis:

Maske angewendet 2

Auch hier ist die Richtung des Lichtes noch falsch - die Wolken werden von links beleuchtet. Ändern kann man das, indem man die Ebene “Wolken” horizontal spiegelt. Dazu markiert man die Ebene in der Ebenenliste und wählt über das Menü
“Bearbeiten / Transformieren / Horizontal spiegeln”. Das Ergebnis sieht dann so aus:

Wolken horizontal gespiegelt

Nun zur Perspektiv-Anpassung:

Vorausgesetzt, man hat zwei Fotos, bei denen der (evtl. nicht sichtbare) Horizont waagerecht verläuft, ist es sehr einfach die Perspektive anzupassen. In diesem Fall muß man nur die Horizont-Linien beider Bilder auf eine Höhe bringen:

Perspektiv-Anpassung

Will man das Bild der Person am Strand mit einem Bild mischen, das die Sonne am Himmel über einer Weide enthält, ordnet man die Bilder so an, dass in beiden Fällen der Horizont auf der gleichen Höhe ist.

Im Ergebnisbild ist dann nur genau so viel Himmel mit Sonne enthalten, wie im Bild mit der Person.

Bei unserem Beispielbild mit der Sonnenblume ist der Horizont bei beiden Bildern ungefähr auf einer Höhe. Eigentlich müßte man nicht viel anpassen.

Aber: Da wir die Gebäude natürlich nicht im Bild haben wollen muß das Wolkenbild vergrößert werden, bis bis keine Gebäude mehr zu sehen sind. Das Vergrößern geht über das “Verschieben”-Werkzeug (Symbol mit vier Pfeilen, hier ganz oben in der Werkzeugleiste). Man markiert die Wolken-Ebene, wählt das Verschieben-Werkzeug aus und kann dann die Eckmarkierung auf die Größe ziehen, die man braucht. Wenn man dazu die Bild-Darstellung verkleinern muß, geht das über die Tastenkombination Strg-Minus bzw. Cmd-Minus auf dem Mac:

Wolken-Ebene vergrößert

Beachten Sie, dass Bilder nicht beliebig vergrößert werden können. Wenn Sie die Vergrößerung zu sehr beanspruchen leidet die Qualität.

Das vergrößerte Bild muß dann in der Perspektive angepaßt werden - zumindest annähernd. Bei den hier verwendeten Beispielbildern liegt der Horizont ausreichend genau übereinander, so dass keine weiteren Anpassungen nötig sind.

Vierter Schritt: Farbanpassung für die Wolken

Eine Anpassung der Farben ist eine Grundvoraussetzung für das realistische Mischen mehrer Bilder. Wichtig sind hierbei:

  • die grundsätzliche Farbstimmung
    Der Himmel ist zwar normalerweise blau, kann aber auf Fotos sehr verschiedene Arten von Blau zeigen - von einem leichten Türkis bis zu Magenta oder auch fast Weiß ist alles möglich.
  • die Sättigung
    Zu mischende Bilder sollten einen gleichen oder zumindest sehr ähnlichen Sättigungsgrad der Farben aufweisen.

Beachtet man diese Dinge nicht erhält man ein Ergebnis, das die meisten Leute leicht als plumpe “Fälschung” erkennen.

Die Farbanpassung wird über eine Einstellungsebene (Farbe/Sättigung) vorgenommen. Es gibt sehr genaue Analysemöglichkeiten für Sättigung und Farbton, wir nehmen den Abgleich aber nur nach Augenmaß vor.

Zunächst deaktivieren wir die Ebenenmaske der Sonnenblume um einen Farbvergleich vornehmen zu können. Klicken Sie dazu mit der rechten Maustaste auf das Symbol der Ebenenmaske um das Kontextmenü zu öffnen und wählen Sie “Ebenenmaske deaktivieren”.

Maske deaktiviert

Ein rotes Kreuz auf dem Masken-Symbol zeigt die deaktivierte Maske an. Wenn Sie nun das Augensymbol links neben der Ebene für die Sonnenblume anklicken können Sie die Ebene sichtbar und unsichtbar einstellen und auf diese Weise schnell die Farbe des Himmels vergleichen.

Markieren Sie nun die Wolken-Ebene mit der linken Maustaste. Fügen Sie eine Einstellungsebene “Farbe/Sättigung” hinzu. Die Einstellungsebene sollte zwischen den beiden anderen Ebenen angelegt werden - notfalls ziehen Sie sie an die richtige Stelle.

Einstellungsebene

In den Eigenschaften der Einstellungsebene wählen Sie statt “Standard” (im zweiten Auswahlfeld) die Einstellung “Blautöne”.

Blautöne

Jetzt können Sie über Farbton/Sättigung und Helligkeit die Blautöne des Wolkenbildes so weit anpassen dass sie dem Bild mit der Sonnenblume etwa entsprechen. Es benötigt hier weder eine exakte Übereinstimmung noch sollten Sie die Farben zu extrem ändern - dadurch könnten unschöne Farbeffekte entstehen.

In diesem Bild habe ich den Farbton auf “+12” eingestellt - das heisst, dass das Blau etwas in Richtung Magenta verschoben wird. Die Sättigung habe ich weit erhöht (+86), da das Wolkenbild keine große Sättigung aufweist. Bei diesem Wert treten gerade so keine unschönen Effekte auf. Die Helligkeit für die Blautöne wurde auf -81 eingestellt - der Himmel wird dadurch dunkler und die Wolken kontrastreicher.

Durch einen Rechtsklick auf das Masken-Symbol und wiederum Auswahl von “Ebenenmaske deaktivieren” wird die Ebenenmaske wieder eingeschaltet und wir erhalten unser Endresultat:

Resultat

Gerade die Farbanpassung ist schwierig, wenn sich die Bilder stark unterscheiden - die besten Resultate erzielen Sie, wenn Sie zwei Ursprungsbilder haben, die sich in ihrer Farbstruktur nicht stark unterscheiden.


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