Fotografie Blog

von Frank Tegtmeyer

           

Rabatment - eine einfache Kompositionsmethode

Dieser Artikel ist Teil einer Serie, die Bildkomposition unter Nutzung der Dynamischen Symmetrie und der Gestalttheorie behandelt.

In diesem Beitrag stelle ich das Rabatment vor - eine Kompositionsmethode, die nichts mit Dynamischer Symmetrie zu tun hat, aber über die Jahrhunderte sehr oft in Kunstwerken nachzuweisen ist.

Die Methode ist sehr einfach und liefert dennoch bessere Ergebnisse als die Drittelregel, da hier auch diagonale Linien einbezogen werden. Mit etwas Übung kann man die Methode sogar beim Fotografieren anwenden. Durch die Einfachheit funktioniert das auch dann, wenn die Kamera kein entsprechendes Liniennetz in den Voreinstellungen anbietet.

Hier sehen Sie das Liniennetz für ein 1,5-Rechteck (entspricht dem Kleinbildformat):

Rabatment im 1,5-Rechteck

Ich kenne den Begriff Rabatment nur aus der englischsprachigen Literatur und habe lange gesucht, ob es eine deutsche Entsprechung gibt. Da ich keine gefunden habe, wollte ich im Deutschen schon den Begriff “überlappende Quadrate” verwenden. Gerade heute bin ich aber über die deutsche Übersetzung eines englischsprachigen Artikels des Mathematik- und Informatik-Instituts der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften aus dem Jahr 2010 gestoßen. Die Autorinnen sind Evgenia Sendova und Toni Chehlarova.
Zumindestens die deutsche Übersetzung entstand mit Förderung der Europäischen Union und verwendet ebenfalls den Begriff Rabatment. Also werde ich dies auch tun.

Wie in der obigen Darstellung zu sehen ist, werden in das Rechteck (den Rahmen) an den schmalen Seiten zwei Quadrate eingefügt. Eigentlich handelt es sich hier um zwei Rabatments - der Begriff steht für das “eindrehen” einer zweidimensionalen Figur in eine andere, so dass sich danach zwei Linien überdecken.
Das Rabatment im Sinne der Komposition wäre also ein Quadrat auf einer Seite des Rechtecks. Für mehr Flexibilität verwenden wir hier aber zwei Quadrate, die sich überlappen. Die Überlappung existiert bei allen Rechtecken mit einem Seitenverhältnis kleiner als 2:1. Für die Fotografie mit ihren “üblichen” Formaten (auch noch für 16:9) ist das Verfahren also anwendbar.

Zur Gestaltung stehen dann die Diagonalen der Quadrate, die Kanten der Quadrate, sowie Horizontale und Vertikale durch die Kreuzungspunkte der Quadrat-Diagonalen zur Verfügung.

Einsatz beim Fotografieren

Beim Fotografieren, vor allem wenn es wie in der Straßenfotografie schnell gehen muss, beschränkt man sich auf wenige Elemente des Rabatments.

Hier kommen in der Regel die Kanten der Quadrate zum Einsatz oder auch eine der Diagonalen der Quadrate. Komplexere Designs sind in der Regel nicht gestaltbar.

Wenn man viel Zeit hat, zum Beispiel bei der Landschaftsfotografie oder beim Fotografieren von Stilleben, ist man dann mit der Dynamischen Symmetrie meistens besser bedient. Diese bietet einfach weitergehende Möglichkeiten.

Diagonalmethode

Das Rabatment wird manchmal auch unter dem Begriff Diagonalmethode dargestellt. Der Niederländer Edwin Westhoff hat diese Methode im Mai 2006 “entdeckt” und mit großem Tamtam im Netz verbreitet. Interessanterweise gibt es dazu in der deutschen Wikipedia einen langen Artikel, während das Rabatment nicht einmal erwähnt wird.

Westhoff hat hier aber nur etwas “entdeckt”, das schon jahrhundertelang angewendet und auch schon seit mindestens hundert Jahren allgemein bekannt ist - das Rabatment. Das zeigt nur, dass er sich mit Kompositionstechniken nie beschäftigt hat.

Wenn Sie also demnächst einmal auf diese “revolutionäre neue Kompositionsmethode” hingewiesen werden, können sie nun müde lächelnd auf das schon lange bekannte Rabatment verweisen. Es ist exakt das gleiche Verfahren.

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