Makro-Fotografie in 3D

3D-Makro

Einführung von Frank Tegtmeyer

Ich bin schon lange ein Fan von Don Komarechka. Kennengelernt habe ich ihn über Google+, wo er mir wegen seiner Makro-Fotografien von Schneeflocken aufgefallen ist. Don ist unglaublich neugierig und geht den Dingen auf den Grund, wobei er stets versucht, mit seinen Bildern neues Terrain zu erschließen.
Irgendwann habe ich ihn deswegen einmal den MacGyver der Fotografie genannt.
Eines seiner Spezialgebiete ist 3D-Fotografie im Makro-Bereich und die dabei entstehenden Bilder sind wirklich atemberaubend schön. Hier gibt uns Don einen Einblick in seine Vorgehensweise.
Der Original-Artikel erschien auf petapixel.com.


Übersetzung von Don Komarechkas Artikel

Makro-Fotografie war schon immer meine Leidenschaft und die Erforschung des Universums zu unseren Füßen kann eine fast magische Erfahrung sein. So schön, wie dieses Genre der Fotografie an sich schon ist, haucht ihm die wortwörtliche Hinzufügung einer weiteren Dimension erst richtig Leben ein.

Leider ist 3D-Fotografie nicht so akzeptiert, wie sie es ein sollte. Das liegt vor allem daran, dass es keinen “einfachen” Weg gibt, sich die Ergebnisse anzusehen. Entweder hat man die Augen zu kreuzen (schielen), muss ein spezielles Wiedergabegerät benutzen, eine Rot/Grün-Brille einsetzen oder eine MPO-Datei auf einem 3D-Fernseher anzeigen.
Lassen wir die Hardware-Optionen einmal außen vor und kreuzen einfach unseren Blick, um das folgende 3D-Bild anzusehen:

3D-Makro

Das Ziel ist es dabei, seine Augen so weit zu kreuzen (schielen!), daß man drei Bilder sehen kann. Wenn man zu weit kreuzt oder das Bild zu weit entfernt ist, sieht man eventuell schon vier Bilder.
Das mittlere der drei Bilder ist das 3D-Bild - es entsteht natürlich nur im Kopf des Betrachters indem das natürliche 3D-Sehen nachgebildet wird. Sie müssen so stark die Augen kreuzen, bis die drei Bilder gleich groß erscheinen - dann liegen die beiden Bilder direkt übereinander und das Gehirn kann daraus die 3D-Information ablesen.
Sobald Sie drei gleich große Bilder sehen, versuchen Sie das mittlere Bild scharf zu stellen (fokussieren). Wenn Sie das schaffen, sehen Sie es dreidimensional.

Haben Sie das geschafft, können Sie jeden beliebigen Punkt des 3D-Bildes fixieren und genau ansehen. Es kann sein, dass sie mehrere Versuche brauchen, aber es ist auf jeden Fall den Versuch wert. Gehen Sie nicht zu dicht an die Bilder heran - das würde dann ein so starkes Kreuzen der Augen erfordern, dass es unangenehm wird. Eine sehr viel detailliertere Anleitung für diese Technik des 3D-Sehens finden Sie hier.

Falls Sie die Kreuzungs-Technik nicht schaffen, machen Sie sich keine Gedanken (etwa die Hälfte der Menschen schafft es nicht) - es gibt andere Methoden 3D-Bilder anzusehen (hier gibt’s die Dateien dafür):

  • Seite-an-Seite (Side-by-Side) mag auf den ersten Blick genauso aussehen, wie die hier dargestellten Bilder, allerdings ist die Reihenfolge der Teilbilder vertauscht. Ansehen kann man sich diese Bilder mit einem Stereoskop oder einem VR-Headset. Oder Sie zeigen das Foto auf Ihrem Smartphone an und benutzen Google Cardboard zum Ansehen.
  • Falls Sie noch eine dieser Rot/Grün-Brillen haben, können Sie die Anaglyph-Dateien verwenden.
  • MPO ist das von 3D-Fernsehern akzeptierte Dateiformat. Laden Sie die Dateien auf einen USB-Stick und schauen Sie sich die Dateien auf Ihrem 3D-Fernseher an.
3D-Makro

Solche Bilder herzustellen ist einfacher, als Sie vielleicht denken. Es gibt einige Techniken, mit denen Sie nicht viel (oder teure) zusätzliche Hardware benötigen. Falls Sie eine Fokus-Schiene für Makro-Fotografie besitzen, können Sie sofort anfangen, solche Fotos zu erstellen. Anstelle der normalen Anordnung der Schiene für Fokus-Stacking montieren Sie die Kamera quer, so dass sie sich horizontal zum Subjekt des Fotos bewegen läßt. Eine seitliche Bewegung der Kamera zwischen den zwei Teilbildern erzeugt den gewünschten 3D-Effekt, wenn Sie die Bilder korrekt verarbeiten und ansehen.

Wie weit muß die Kamera bewegt werden? Experimentieren Sie! Je größer die seitliche Bewegung ist, desto drastischer wird der 3D-Effekt - solange sich Ihr Subjekt noch innerhalb des Bildes befindet. Das obige Bild wurde mit einer Lumix GX9 und einem Leica 45mm f/2.8 Makro-Objektiv unter Nutzung der beschriebenen Technik gemacht.

Panasonic-Objektiv umgebaut

Wenn Sie eine Fertiglösung bevorzugen und eine Micro Four Thirds-Kamera ihr eigen nennen - Panasonic hat ein 12,5mm f12 3D-Objektiv hergestellt (wird nicht mehr produziert, aber auf eBay noch sehr verbreitet). Es ist nicht so gut geeignet größere Objekte wie Menschen zu fotografieren, da der Abstand der Frontlinsen nicht sehr groß ist. Die Schärfentiefe ist auch nicht so gut aber man kann das Objektiv leicht modifizieren indem man einen Dichtungsring (washer) zwischen Objektivkörper und Objektiv-Befestigungsring anbringt, der wie ein Zwischenring wirkt.

Sie können sogar fertig modifizierte Objektive auf eBay finden. Der Umbau macht aus dem Objektiv ein Makro-Objektiv bei dem der kleine Front-Linsen-Abstand keine Rolle mehr spielt. Mit dem Objektiv können Sie zum Beispiel Aufnahmen wie die folgende machen:

3D-Makro

Meine persönlichen Favoriten für 3D-Makro sind die Objektive von de Wijs apparatenbouw, eine niederländische Firma die zwischen 1994 und 2007 eine Anzahl dieser Objektive für verschiedene Verstärkungen und Sensor-Größen produzierte.

3D-Objektive

Diese Objektive können wegen Ihrer kleinen Blendenöffnung recht schwierig zu benutzen sein - ich benutze fast immer einen Blitz, wenn ich sie einsetze. Selbst wenn die Objektive mit größeren Blendenöffnungen produziert werden könnten wäre das nicht förderlich für 3D-Aufnahmen. 3D funktioniert am besten, wenn Sie alle Details in allen Bildebenen scharf sehen, so daß Ihre Augen hin- und herwandern können um interessante Bildelemente zu entdecken. Bildkomposition ist insofern anders als in 2D - optisch interessante Bildelemente haben in der Regel eine größere Tiefe, so wie diese gefrierende Seifenblase auf einer Blume:

3D-Makro

Alle gezeigten Fotos wurden mit der freien Software Stereo Photo Maker bearbeitet, die immer noch aktiv betreut und weiterentwickelt wird. Vor etwa einem Monat wurde die letzte Beta-Version zum Download freigegeben. Im “Adjust”-Menü findet sich das auto alignment, das meistens hervorragende Ergebnisse liefert. Mit “Easy adjustment” kann man die Ausrichtung der Bilder feinjustieren. Das Schwerste für mich war exakt zu verstehen, was “Stereo Window” bedeutet und wie man es sauber festlegt.

Stereo Photo Maker

Man sollte vermeiden, Bildelemente in einem Randbereich des einen Bildes zu haben, die in dem anderen Bild nicht enhalten sind. Das erzeugt einen “Geister”-Effekt, der die 3D-Wirkung beeinträchtigt. Ein gutes “Stereo window” vermeidet solche Effekte so weit wie es geht. Es ist nicht immer möglich, eine perfekte Lösung zu finden aber das auto alignment versucht schon, diese Anforderungen umzusetzen. Nach dieser Einstellung kann das Bild in 3D gespeichert werden.

3D-Makro

Ich versuche, kreativ bei der Wahl und Darstellung meiner Subjekte zu sein wie zum Beispiel bei der gefrierenden Seifenblase auf einer Blume. In 2D sieht das völlig chaotisch aus aber wenn man es in 3D ansieht, werden die Formen auf einmal erkennbar. Die Tiefe eines 3D-Bildes sollte Sie in das Bild “hereinziehen” und sie quasi in das Bild “eintauchen” lassen. Es ist viel einfacher, sich wie Alice im Wunderland zu fühlen, wenn man in diese Welt auf der Makro-Ebene eintaucht.

3D-Makro 3D-Makro 3D-Makro

Ich glaube, dass wir durch neue Technologien vor einer Auferstehung des 3D-Formats stehen. Diese werden erlauben, 3D-Bilder ohne Anstrengung und Tricks anzusehen, wie zum Beispiel mit dem RED Hydrogen smartphone. Nach einem Monat der täglichen Benutzung des Hydrogen bin ich gespannt auf die Weiterentwicklungen in diesem Bereich. Es gibt zwar noch keine Software, mit der ich meine existierenden 3D-Bilder in das “H4V”-Format des RED konvertieren kann, ich bin aber sicher dass diese kommen wird.

Hydrogen könnte die Initialzündung sein, 3D-Inhalte für die Massennutzung tauglich zu machen, aber zumindest kann ich mit dem gegenwärtigen Stand der Technik Spaß daran haben die Leute zum Schielen zu bringen.


Über den Autor: Don Komarechka ist ein Natur- und Makro-Fotograf, der sich auf das Fotografieren von Schneeflocken spezialisiert hat. Sein Buch Sky Crystals bietet neben den wunderschönen Fotos auch eine ausführliche Anleitung zum Fotografieren von Schneeflocken und eine allgemeinverständliche Erläuterung der physikalischen Prozesse, die die verschiedenen Kristall-Formen hervorbringen.
Don’s Arbeiten wurden in Dokumentarfilmen von CBC, BBC, National Geographic und sogar auf einer limitierten kanadischen Münzausgabe verwendet.
Don Komarechka betreibt den Podcast Photo Geek Weekly. Seine Arbeiten können Sie auch auf Facebook und Flickr finden.


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