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von Frank Tegtmeyer

           

G’MIC 2.0 veröffentlicht

G'MIC Logo - Quelle GMIC homepage
G’MIC Logo, Quelle: G’MIC Homepage

G’MIC ist eine flexible und leistungsfähige Software zur Bildverarbeitung. Der Entwickler arbeitet am GREYC-Institut in Frankreich, wo er beruflich mit Bildverarbeitung im wissenschaftlichen Umfeld zu tun hat.

G’MIC ist freie Software, die über diverse Schnittstellen mit anderer Software zusammenarbeiten kann. So gibt es seit vielen Jahren ein Plugin für das Bildbearbeitungsprogramm GIMP.

Version 2 von G’MIC bietet eine ganze Reihe Neuerungen, die hier kurz vorgestellt werden.

G’MIC arbeitet als Filtersystem, bei dem die einzelnen Filter hintereinander gehängt werden können. Zu jedem Zeitpunkt können mehrere Einzelbilder in der Verarbeitungskette existieren, die in einem Stapel geeignet positioniert werden.

Für den Endanwender des Gimp-Plugins (und das ist für die meisten Anwender vermutlich das interessanteste an G’MIC) ist die interne Arbeitsweise allerdings uninteressant. Es ist aber gut zu wissen, dass man sich über die in G’MIC eingebaute Programmiersprache problemlos eigene Filter bauen kann. Die Lernkurve ist allerdings steil und ganz ohne Kenntnisse der Terminologie in der wissenschaftlichen Bildverarbeitung geht es auch nicht.

Aber wie gesagt, als Endanwender des GIMP-Plugins ist das nicht weiter von Belang. Im Plugin sind zur Zeit mehr als 480 Filter hinterlegt, die die meisten Bedürfnisse von Bildbearbeitern befriedigen dürften.

Neues GIMP Plugin

Die wichtigste Neuerung für Endanwender dürfte das komplett neu geschriebene GIMP-Plugin sein. Es wurde unter Verwendung der Qt-Bibliothek implementiert und muss sich somit nicht mehr mit den begrenzten Möglichkeiten der GIMP-Schnittstelle zufrieden geben.

Hierdurch kann z.B. die Vorschau im Plugin beliebig vergrößert oder verkleinert werden und auch die Platzierung der Bedienelemente ist flexibler. Der Nutzer kann jetzt zwischen einer dunklen und einer hellen Bedienoberfläche wählen.

GIMP Plugin - Quelle: pixls.us
GIMP Plugin, Quelle: pixls.us

Das Management der Filter-Favoriten wurde überarbeitet und vereinfacht und es ist jetzt wirklich möglich, die Bedienoberfläche auf seine eigenen Bedürfnisse zuzuschneiden.

Für den Endanwender nicht so wichtig, aber trotzdem bedeutsam: Das Plugin bietet jetzt seine eigene Programmierschnittstelle und es ist möglich durch die Implementierung einer einzigen C++-Datei die Verbindung zu anderen Programmen zu schaffen. Im Moment wird schon an einer Einbindung in das Program Krita gearbeitet.

Für den Endanwender nicht so wichtig, aber trotzdem bedeutsam: Das Plugin bietet jetzt seine eigene Programmierschnittstelle und es ist möglich durch die Implementierung einer einzigen C++-Datei die Verbindung zu anderen Programmen zu schaffen. Im Moment wird schon an einer Einbindung des neuen Plugins in das Programm Krita gearbeitet.

Massive Verbesserungen für Zeichner

Zunächst zu einer Neuerung, die für Fotografen nicht so spannend ist, dafür aber für Leute, die Zeichnungen (z.B. Comics) in GIMP kolorieren.

Neu ist der SmartColoring-Filter, der in Zusammenarbeit mit einem Cartoon-Künstler entwickelt wurde. Es gab in G’MIC-1.x schon einen ähnlichen Filter der aber diverse Probleme bei der Behandlung von nicht geschlossenen Flächen und mit Anti-Aliasing hatte. Der SmartColoring-Filter beseitigt diese Probleme und erleichtert dadurch die Arbeit bei der Kolorierung von Cartoons enorm.

Wer in diesem Bereich mehr wissen möchte, sei auf den Blog-Artikel bei pixls.us verwiesen.

Und was hat der Fotograf davon?

Eine berechtigte Frage. Aber auch hier gibt es diverse Neuerungen.

Am prominentesten zu nennen sind hier die Color Lookup Tables (CLUT), die für Farb-Veränderungen ganzer Bilder geeignet sind. Diese stammen urspünglich aus dem Umfeld des Kino-Films, wurden aber inzwischen schon in eine Reihe von Bildbearbeitungsprogrammen integriert. Interessant sind sie nicht nur für die Erzeugung verschiedener Bild-Atmosphären, sondern auch zum Beispiel für die Emulation verschiedenster Analog-Filmsorten.

Pat David, der Mann hinter pixls.us, hat hier lange Zeit Vorarbeit im Bereich von GIMP geleistet und wurde vom GMIC-Autor dann mit entsprechenden Implementierungen in GMIC unterstützt.

GMIC kann nicht nur (wie viele Programme) vorbereitete CLUT anbieten (zur Zeit 359), sondern es ist auch möglich diese aus fremden Quellen zu laden. Wer damit immer noch nicht bedient ist, kann sich mit Hilfe von GMIC komplett eigene CLUT erstellen und abspeichern - etwas, das sonst nur relativ teure Software ermöglicht.

Hier ein Bild (Quelle: Pat David), das einige der in G’MIC bereitgestellten Farb-Transformationen zeigt:

CLUT-Beispiele - Quelle: Pat David

Weitere Neuerungen sind etliche Filter, zum Beispiel zur Verstärkung von Bilddetails oder auch zur Detail-erhaltenden Aufhellung von Schatten. Auch ein Dehaze-Filter ist jetzt enthalten - vor wenigen Jahren von DxO vorgestellt, dann von Lightroom übernommen und jetzt auch in freier Software verfügbar.

Interessant ist auch das Erstellen von Farb-Masken, mit denen sich leicht Dinge anders einfärben lassen. Hier ein kurzes Video zu diesem Thema:

Hier wird in G’MIC ein ähnlicher Komfort erreicht wie in kommerziellen Programmen üblich.

Median-Bildung von Bildsequenzen

Auch dieser Punkt ist für Fotografen interessant. Einsatzmöglichkeiten sind:

  • Vergößerung der Auflösung von Bildern
  • Rauschminderung
  • Simulation von Langzeit-Belichtungen

Wie man diese Ziele mit Median-Bildung erreichen kann, werde ich in einem späteren Artikel erläutern - wichtig ist hier nur, dass mit G’MIC nun auch ein einfacher Weg existiert, so etwas mit freier Software zu machen.

Weitere Filter

Ich will die Liste nicht zu lang werden lassen, aber einige neue Filter sind noch erwähnenswert:

  • Bild-Reduktion (Abstrahierung mit “Artistic / Sharp abstract” oder Posterisierung mit “Artistic / Posterize”)
  • Diffusion / Tensors bietet eine Unzahl von möglichen Effekten
  • Patterns / Camouflage - Generierung von Tarn-Mustern
  • Patterns / Crystal Background - edle Hintergründe, die wie Kristalle aussehen
  • Rendering / Barnsley fern - fraktale Generierung von Farn-Blättern

Weitere Verbesserungen

Die intern benutzte C++-Bibliothek wurde weiter optimiert, so dass noch mehr Operationen auf mehreren Prozessoren parallel ausgeführt werden können.

Auf Windows laufen viele Operationen jetzt bis zu 60mal so schnell wie vorher - bei den heute üblichen großen Bildern ist das ein riesiger Vorteil.

G’MIC unterstützt jetzt auch das BigTIFF-Format. Hier können die Bilddateien größer als 4GB werden.

Es lohnt sich also auf jeden Fall, die neue Version zu installieren.

Viel Spaß damit!